22/03/2026 0 Kommentare
Gedanken zu Ostern von Petra Krötke
Gedanken zu Ostern von Petra Krötke
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Gedanken zu Ostern von Petra Krötke
Karfreitag und die Osterfeiertage gehörten viele Jahrhunderte zu den wichtigsten Festen der Christenheit. Tod und Auferstehung Jesu Christi hatten im Bewusstsein der Gläubigen die allerhöchste Bedeutung.
Heute dagegen ist Weihnachten mehr im Bewusstsein. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass Weihnachten ein Fest ist, das alle sich gut vorstellen können. Da kommt ein Kind zur Welt. Maria und Josef, seine Eltern, sind bei ihm. Und die Geburt in einem Stall ist etwas Besonderes. Das alles ist einprägsam und nachvollziehbar.
Ostern dagegen ist ein Fest, das in einem krassen Gegensatz zu unseren Erfahrungen und unserem Wissen steht. Wir wissen, dass wir sterben. Und wir erfahren, dass die Toten nicht am dritten Tag wieder auferstehen. Genau das aber berichtet die Bibel von Jesus Christus. Und damit tun sich viele schwer. Zweifel werden angemeldet, und immer wieder werden Pfarrerinnen und Pfarrer gefragt: „Glaubst du das wirklich mit der Auferstehung?“
Wenn es um Ostern und die Auferstehung geht, bleibt uns nichts als der Glaube. Dann bleibt uns nichts, als die Botschaft von der Auferstehung als das zu nehmen, was sie für uns ist. Eine Glaubensaussage.
Eine Glaubensaussage, die quer zu unseren Erfahrungen steht und die gerade deshalb Hoffnung schenken kann. Ostern zeichnet eine Gegenwelt zu dem, was wir in der Welt erleben. Und weil das so ist, ist die Botschaft vom leeren Grab nicht totzukriegen, wird sie Jahr um Jahr erinnert, lassen sich Menschen auf den Namen Jesu Christi taufen und geben Menschen die Hoffnung nicht auf – ganz gleich, wie trostlos die Welt ist, in der sie leben und überleben müssen.
Inmitten einer zerstörten ukrainischen Stadt legt eine alte Frau ein Beet an. Sie befreit ein kleines Stück Erde von den Trümmern des Krieges. Sie friedet das kleine Stückchen Erde sorgfältig ein, damit es nicht zertreten wird. Mit ihrer Hand lockert sie die Erde auf. Und mitten auf diesem Beet blüht eine Narzisse. Leuchtend gelb und geradezu stolz hebt sie sich ab vor dem Grau der Steine und dem Grauen der Zerstörung um sie herum.
Seit ich diese kleine Szene in den Nachrichten gesehen habe, geht sie mir, wenn ich an Ostern denke, nicht mehr aus dem Kopf. Eine Narzisse gegen Gewalt, Schmerz und Trauer. Eine zerbrechliche Blume, die ihr Leben inmitten des Krieges behauptet und einfach blüht. Eine Blume wie eine Gegenwelt. So kommt es mir vor.
Ostern steht auch für eine Gegenwelt. Die Botschaft vom leeren Grab steht gegen Tod und Trauer, gegen Gewalt und Schmerz. Die Botschaft vom leeren Grab steht gegen alles, was wir von Tod und Leben zu wissen meinen.
Die Anfänge unseres christlichen Glaubens sind unauflöslich mit dieser Botschaft vom leeren Grab verbunden. Die Botschaft vom leeren Grab ist der allererste und vielleicht wichtigste Grund unseres christlichen Glaubens – überliefert, unbeweisbar, voller Hoffnungskraft.
Vielleicht wird Ostern in den nächsten Jahren wieder wichtiger werden. Ich jedenfalls sehe mich jeden Tag in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist. Kriege, Unfreiheit, Ausbeutung der Ressourcen zeigen mir immer mehr: So kann es nicht weitergehen.
Ist also alles verloren? Stehen uns nur Abgrund und Tod vor Augen? Nein. Ostern ist das Leben. Nicht totzukriegen und voller Hoffnung. Damals wie heute.
Ihnen allen fröhliche und gesegnete Ostern!
Pfarrerin Petra Krötke
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