16/05/2026 0 Kommentare
Gedanken zum Pfingstfest von Christoph Anders
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Gedanken zum Pfingstfest von Christoph Anders
Pfingsten sehen wir rot. Jedenfalls in evangelischen Kirchen, sofern sie Antependien an Altar und Kanzel zeigen. Diese Altartücher – unterschiedlich in Größe, Gewebe und Gestalt - wechseln Farbe und Motive im Verlauf des Kirchenjahres. Rot kommt nur selten vor: Pfingsten, Reformation, Gedenktage der Kirche, Kirchweihfeste und Konfirmationen.
Entsprechend unterschiedlich können die auf leuchtend rotem Grund verwendeten Motive sein: Feuerflammen, mit und ohne Jünger, Wind und Bewegung oder Symbole, die sich direkt auf Nachfolge und Kirche beziehen. Mitunter wird auch ein Herz ins Bild gesetzt.
Rot steht zunächst für die Feuerflammen, die sich nach der Pfingsterzählung (Apostelgeschichte 2) auf die Köpfe der Jünger gesenkt haben. Verbunden mit Gottes Geist, der beschrieben wird als frischer Wind, der durch die Zimmer brauste. Von dessen Kraft erfasst wurden die verzagt im Haus hockenden Jünger und Jüngerinnen „Feuer und Flamme“, traten begeistert vor die anwesenden Menschen, verwandelten sich zu bekennenden, feuereifrigen Zeugen und Zeuginnen Jesu Christi.
Leidenschaft ist hier angezeigt. Eine Haltung, die Begeisterung, aber auch Widerspruch hervorrief: Gegen Jesus Christus selbst und sehr schnell auch gegenüber Jüngern und Jüngerinnen. Glaubens-Leidenschaft ist eine, die „Leiden schafft“. Stephanus ist der erste in einer langen Reihe von christlichen Märtyrern. Ihr Blut floss - und fließt bis heute weltweit- wenn sie am Zeugnis der leidenschaftlichen Menschenliebe Gottes auch in stärkster Verfolgung festgehalten haben. Deshalb ist Rot auch Farbe des Blutes.
In den ersten christlichen Jahrhunderten war offenbar beides von großer Bedeutung für die Ausbreitung des Christentums: Gemeinschaften der Verschiedenen, die sich bildeten und geprägt waren von den grenzüberschreitenden Gaben des Pfingstgeistes. Dazu kam die Standhaftigkeit, mit der die ersten Christen und Christinnen bereit waren, für ihren Glauben auch als Verfolgte einzustehen.
Rot schließlich auch als Hinweis auf die Liebe Gottes. Die christliche Verkündigung will zu Herzen gehen und dort den Glauben einpflanzen. In biblischem Verständnis ist es das Zentrum menschlicher Existenz. Den Kern dieser Botschaft hat nicht zuletzt Martin Luther in der Liebe Gottes zu den Menschen gesehen. Glaube als Herzensangelegenheit des/der Einzelnen, Grund für eine vertrauensvolle Beziehung zu Gott. Sie führt hinein in die Gemeinschaft der Glaubenden, die sich von dieser Liebe getragen weiß. Auch auf dieser Einsicht gründet sich Reformation – die bekanntlich nicht nur ein gern erinnertes Ereignis aus ferner Vergangenheit bleiben soll.
Nicht nur Pfingsten sehen wir rot in unseren Kirchen. Dann geht es um viel: Um die Gegenwart des Heiligen Geistes und den Grund der Kirche Jesus Christi, um Gottes Liebe zu den Menschen und die Begeisterung unter seinen Jüngern und Jüngerinnen, um öffentliches Bekennen und Leidensbereitschaft, um dynamische Bewegung und zukunftsgewisse Offenheit für Veränderung.
Wir sollten uns vom diesem Rot herzensangelegentlich begeistern lassen.
Ihr Pfarrer Christoph Anders
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