Gedanken zur Passionszeit von Volker Lübke

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Gedanken zur Passionszeit von Volker Lübke

Liebe Leserinnen und Leser,

in den letzten Jahren sind zahlreiche Bücher darüber erschienen, was denn eigentlich unser christlicher Glaube heute beinhaltet. Was es heißt, im 21. Jahrhundert als Christ zu leben. Und nun stellen Sie sich bitte einmal vor, Sie nähmen ein solches Buch zur Hand und es stünde dann da:

„Christsein bedeutet, standhaft zu bleiben in Bedrängnissen, in Not und Angst. Es beinhaltet bis zur Erschöpfung für den eigenen Glauben zu arbeiten, sich kaum Schlaf zu gönnen und dauerhaft zu fasten. Sich nichts zuschanden kommen zu lassen, Gottes Willen zu suchen und zu erkennen, geduldig und freundlich zu sein. Jeden Menschen aufrichtig zu lieben, Gottes Wahrheit zu verkünden und aus seiner Kraft zu leben. Sich nicht beirren zu lassen, weder durch Lob, noch durch Verachtung, weder durch gute Worte, noch durch böses Gerede. Sich Lügner nennen zu lassen und doch die Wahrheit zu sagen. Zu sterben und dennoch zu leben. Sich schlagen zu lassen und doch nicht umzukommen. In Traurigkeiten fröhlich zu bleiben. Arm zu sein und doch viele reich zu beschenken. Nichts zu haben und doch alles zu besitzen.“

Wahrscheinlich würde fast jeder von uns nach dem Lesen dieser Anhäufung von Ansprüchen und Forderungen ein solches Buch schnell wieder zuschlagen und sich sagen: Das ist mir zuviel, das kann und will ich nicht leisten, da fühle ich mich überfordert. Und manches, erscheint einem in dieser Aufzählung auch einfach unverständlich oder gar widersprüchlich.

Bei dem Zitat handelt es sich um ein wenig umformulierte Sätze aus der Bibel, um Worte des Apostels Paulus. Er hat sie einerseits zur Kennzeichnung seiner Rolle als Apostel an die Gemeinde in Korinth geschrieben. Sie scheinen mir etwas davon widerzuspiegeln, was Christsein auch heute bedeuten kann.

Christsein, das heißt für Paulus in Widersprüchen zu leben. Seine Botschaft ist nicht bequem. Mit ihr erreicht uns etwas vom Ernst der Passionszeit. In Widersprüchen leben! Für manchen mag das regelrecht ärgerlich klingen. Ginge es nicht einfacher und klarer? Verständlich ist solch eine Reaktion schon. Was aber ist ein Glaube wert, der sich den Fragen nicht stellt, die er bei sich selbst und bei anderen auslöst?  Paulus geht die Sache sehr grundsätzlich und ganz offen an. Er will nicht etwa schlechte Stimmung verbreiten oder den Glauben an den Gekreuzigten und Auferstandenen als eine dunkle Sache und als Leidensweg kennzeichnen. Im Gegenteil: Paulus will Mut machen zu einem nüchternen und realistischen Glauben, zu einem Christsein, das sich der Widersprüche, in denen und mit denen es lebt, bewusst ist und daran reift.  Darum geht es auch in der Passionszeit, an deren Ende wir das Fest der Auferstehung feiern dürfen.

Ihr Pfarrer Volker Lübke

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