„Siehe, ich mache alles neu!“- Gedanken zur Jahreslosung 2026 von Ute Sauerbrey

„Siehe, ich mache alles neu!“- Gedanken zur Jahreslosung 2026 von Ute Sauerbrey

„Siehe, ich mache alles neu!“- Gedanken zur Jahreslosung 2026 von Ute Sauerbrey

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„Siehe, ich mache alles neu!“- Gedanken zur Jahreslosung 2026 von Ute Sauerbrey

Die Jahreslosung für 2026 steht im Buch der Offenbarung des Johannes 21,5.

Frederick lebt mit einer großen Mäuse-Sippe in den Ritzen einer alten Feldstein-Mauer. Im Sommer ist das Leben einfach – da gibt es Samen und Nüsse und Körner in Hülle und Fülle. Alle werden satt, und die Mäuse sind nicht dumm: Sie legen im Sommer Vorräte an für den langen Winter, wenn die Nahrung knapp wird. Die ganze Mäuse-Sippe schleppt unermüdlich Nüsse und Körner in die Vorratskammern tief in der alten Feldsteinmauer. 

Nur einer beteiligt sich nicht an dieser Arbeit: Frederick. Er sitzt auf einem Stein, die Augen geschlossen, und lässt sich die Sonne aufs Mäusefell scheinen. Wenn die anderen ihn fragen, was er macht, antwortet er: Ich sammele die Wärme der Sonne. Oder er sitzt und betrachtet die Schönheit der Blumen, die in allen Farben des Sommers blühen. Die anderen schleppen weiter Nüsse und Körner und schütteln den Kopf. Über den Faulenzer. Den Träumer. 

Dann kommt der Winter. Der muss die Mäuse nicht schrecken – sie haben ja Vorräte gesammelt. Aber der Winter ist lang. Und bitterkalt. Und irgendwann ist die letzte Nuss geknackt, das letzte Korn geknabbert. Dann sitzen die Mäuse im Dunkeln, und es wird ihnen kalt bis ins Herz, und sie haben Angst.

Bis Frederick anfängt zu sprechen. Frederick erzählt der verängstigen und hungrigen Mäuse-Schar von der Wärme der Sonne. Von den Farben des Sommers. Er tut es auf eine Weise, dass den Frierenden warm ums Herz wird. Dass die Verängstigen Mut schöpfen. Dass die Sorgenvollen wieder Freude spüren. Und so überstehen sie die härteste Zeit des Winters – nicht mit Nüssen und Körnern. Sondern mit einem, der vom Licht inmitten der Dunkelheit erzählt und von der Schönheit im Angesicht von Not und Angst.

Warum erzähle ich Ihnen diese Geschichte, die der jüdische Maler und Schriftsteller Leo Lionni vor fast 60 Jahren in seinem großartigen Bilderbuch „Frederick“ aufgeschrieben hat? 

Weil Frederick und der Seher Johannes aus der Bibel Seelenverwandte sind. Beide sprechen zu einer Schar von verängstigten, bedrängten Menschen (bzw. Mäusen). Beide sind Apokalyptiker. Wobei „Apokalypse“ eben nichts damit zu tun hat, wollüstig den Weltuntergang zu schildern. Apokalyptiker sprechen Menschen, die Not und Bedrängnis ganz real erleben, Mut zu. Die Zeitgenossen des Johannes erlebten die schlimmen Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian, die Mäuse in „Frederick“ hungern und  frieren. 

Frederick spricht im Dunkeln von Licht und Wärme und die Mäuse erleben: Trost. „Siehe, ich mache alles neu, spricht Gott“ – das schreibt Johannes an die verängstigten Christ*innen des 2. Jahrhunderts, und die verstehen: Diese dunkle Welt bleibt nicht, wie sie ist. Aus all dem Chaos wird Gott etwas Neues entstehen lassen. 

Ich wünsche uns, dass wir so getröstet und ermutigt ins neue Jahr 2026 gehen. Dass wir reden wie Frederick: Die Wirklichkeit nicht beschönigen, aber sie auch nicht absolut setzen. Nicht Angst schüren, sondern Angst nehmen. Nicht vertrösten, sondern trösten. Den Mangel nicht leugnen und dennoch von dem sprechen, was uns hält und wärmt und Mut macht. 

Und miteinander die Hoffnung bewahren. 

Ein gesegnetes Jahr 2026 wünscht Ihnen

Ihre Pfarrerin Ute Sauerbrey

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